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Geschichte der Abteilung

Die heutige Abteilung für Osteuropäische Geschichte ist aus dem bis zum 30. September 2005 eigenständigen Seminar für Osteuropäische Geschichte hervorgegangen.

Die Arbeitsschwerpunkte der Bonner Osteuropäischen Geschichte liegen in der Geschichte Russlands und Ostmitteleuropas. Dabei stehen die Geschichten von Imperien und Nationsbildungen, globalgeschichtliche Zusammenhänge und Erinnerungskonflikte im Mittelpunkt. In der Lehre ist die Geschichte des östlichen Europas seit dem 16. Jahrhundert in ihrer ganzen Breite vertreten.

Das Seminar bestand seit dem 1. April 1960, als Horst Jablonowski, zuvor in Berlin tätig, auf ein Extraordinariat nach Bonn berufen wurde. Vor Jablonowski war es der Kirchenhistoriker Leopold Karl Goetz, der sich zwischen 1903 und 1931 an der Bonner Universität intensiv mit Osteuropäischer Geschichte beschäftigte und dabei vor allem zur russischen Rechts- und zur osteuropäischen Kirchengeschichte bemerkenswerte Arbeiten vorgelegt hat. Goetz sah schon damals deutlich die Bedeutung Osteuropas für die gesamteuropäische Entwicklung und sprach davon, „daß sich die die deutschen Universitäten die Förderung der allgemeinen Erkenntnis der Geschichte und kulturellen Entwicklung Osteuropas, insbesondere dessen Beziehungen zu Westeuropa zur Aufgabe machten.“ Das scheint heute so aktuell wie damals zu sein.
Die Versuche, nach dem Tode von Goetz das Fach an der Universität zu etablieren, scheiterten seinerzeit ebenso wie in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst erneute Bemühungen am Ende der 1950er Jahre, für die vor allem der Name des Historikers Max Braubach steht, damals Rektor der Universität, führten zur Berufung von Jablonowski, der sich hauptsächlich mit polnischer und russischer Geschichte befaßte. Seit dieser Zeit besteht ein kontinuierliches Lehrangebot im Fach Osteuropäische Geschichte.

Jablonowski starb, noch nicht 56-jährig, im Januar 1970. Die letzten Jahre seiner Lehrtätigkeit wurden von den Unruhen an den deutschen Universitäten überschattet. Ihm folgte sein langjähriger Assitent Friedhelm Berthold Kaiser, der im April 1971 die Professur übernahm. Er war sowohl Historiker als auch Jurist, so daß es nicht verwundern kann, daß rechtsgeschichtliche Fragen im Zentrum seiner Forschungen standen. Später dann, vermutlich unter dem Eindruck der Studentenbewegung, wandte er sich Fragen der russischen Hochschulpolitik und der Studentenbewegung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu. Kaiser verstarb völlig unerwartet im November 1983.

Nach längerer Vakanz der Professur nahm dann Alexander Fischer zum Sommersemester 1986 seine Lehrtätigkeit auf. In der Zwischenzeit, im Frühjahr 1984, war der Umzug des Seminars in das jetzige Gebäude in der Lennéstraße 1 erfolgt, das mit dem Slavistischen Seminar geteilt wird. Fischer stellte die Geschichte der Sowjetunion und der DDR ins Zentrum seiner Forschungen, in der Lehre vertrat er das Fach in seiner vollen Breite. Nach 1990 setzte er sich energisch für die Gründung des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung in Dresden ein. Fischer starb nach schwerer Krankheit im Juni 1995 im Alter von 62 Jahren.

Ihm folgte zunächst als Vertretung ab 1.Oktober 1995, dann als Lehrstuhlinhaber ab 1.November 1996 Dittmar Dahlmann, der 1983 in Düsseldorf promovierte und sich 1994 in Freiburg habilitierte. Im Zentrum seiner Forschungen stand Rußland bzw. die Sowjetunion vom 18. Jahrhundert bis zur Zeitgeschichte. Dabei gehören die Wissenschaftsgeschichte (Erforschung Sibiriens und des Fernen Ostens seit dem 18. Jahrhundert), die Geschichte der Unternehmerschaft in Rußland im 19. und frühen 20. Jahrhundert, die Geschichte Sibiriens und die Geschichte des Fußballs in Rußland zu den zentralen Themen des Lehrstuhlinhabers, der in der Lehre das Fach in seiner vollen Breite vertrat.

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