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Call for papers - DGO Fachgruppe Geschichte

Die Geburt des Rechtsterrorismus Historische Perspektiven auf politische Attentate der gewaltbereiten und extremen Rechten in Ost- und Westeuropa bis zum Zweiten Weltkrieg

Ort: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Datum: 21.–23.11.2019

Der Terrorismus ist in der Gegenwart medial nahezu omnipräsent. Insofern verwundert es nicht, dass auch das Interesse an der Terrorismusforschung in den Politik- und Sozialwissenschaften sowie an der Geschichte des Terrorismus groß ist. Im Zentrum der Aufmerksamkeit standen dabei seit dem 11. September 2001 einerseits der islamistische Terrorismus, andererseits in der deutschen Geschichtswissenschaft auch der Linksterrorismus der 1970er Jahre. Dagegen hat der Rechtsterrorismus bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit sowohl in der Historiographie als auch in der Terrorismusforschung allgemein erfahren.

Die geplante Tagung widmet sich in historischer Perspektive den Ursprüngen des Rechtsterrorismus in Ost- und Westeuropa seit dem späten 19. Jahrhundert. Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen der Herausbildung rechtsextremer Ideologien und politisch motivierten Gewaltakten zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht die Geschichte rechter Gewalt im Russischen Reich im Kontext der Revolution des Jahres 1905 sowie in West- und Osteuropa in der Zwischenkriegszeit. Dabei werden nicht nur Ideologie und Motivationen der Attentäter in den Blick genommen, sondern auch das Unterstützerumfeld der Attentäter – insbesondere Sympathisanten in den politischen und gesellschaftlichen Eliten –, die mediale Rezeption der Attentate sowie die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit auf die Attentate. 
Leitfragen sind dabei:

- Welche Bedeutung kommt rechtsextremen Ideologien für die Erklärung des Rechtsterrorismus zu? Gab es „Vordenker“, deren Schriften und Reden die Attentäter bei ihren Gewalttaten beeinflussten? Welche Debatten führten gewaltbereite und extreme Rechte über die Legitimität von Gewalt als politischem Mittel?

- Wie verhielt sich der Rechtsterrorismus zu anderen Formen rechter Gewalt (Mob- und Pogromgewalt, Bandenkriminalität, Selbstjustiz, paramilitärische Aktionen)? Dabei auch: Welche Gruppierungen zählten zum Unterstützerumfeld der Attentäter (rechtsextreme Parteien und Bewegungen, staatliche Institutionen wie z. B. Geheimdienste, Armeen, etc.)? Wie verhielten sich Rechtsterrorismus und Regime, die Staatsterror einsetzten, zueinander, welche Überschneidungen (und Abgrenzungsprobleme) gibt es?

- Worin bestehen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Attentaten nationaler Befreiungsbewegungen, etwa in der Ukraine, Armenien und Irland, und rechter bzw. rechtsextremer Gewalt im Selbstverständnis der Gruppierungen sowie in der medialen Rezeption?

- Inwieweit wurden Attentate rechter Gruppierungen zeitgenössisch als neue Form von Gewalt wahrgenommen, inwieweit erkannten Presse und Öffentlichkeiten einen Zusammenhang zwischen Attentaten von rechts und den bis dahin bekannten Formen von Terrorismus seitens anarchistischer Gruppierungen oder nationaler Befreiungsbewegungen?

- Was lässt sich über die Soziologie des Rechtsterrorismus sagen (insb. Kategorien Klasse und Gender)? Wer waren die Opfer der Attentate, gegen welche Personengruppen richtete sich rechtsterroristische Gewalt bevorzugt? Inwieweit spielten dabei gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus eine Rolle?

- Welche politische Wirkung konnte Rechtsterrorismus im Kontext der Gewalteskalationen der Revolutionen von 1905 und 1917, des Ersten Weltkrieges, der Bürgerkriege in Osteuropa und der politischen Gewalt der Zwischenkriegszeit entfalten?

Die Tagung möchte eine Diskussion über unterschiedliche Genealogien und Variationen des Rechtsterrorismus in Ost- und Westeuropa anregen und zu einem besseren Verständnis davon, was Rechtsterrorismus ist, beitragen. Da die Definition von „Rechtsterrorismus“ nach wie vor umstritten ist, sind Beiträge zu rechter Gewalt erwünscht, die sicher oder auch nur möglicherweise als Rechtsterrorismus bezeichnet werden kann oder die zeitgenössisch als terroristisch eingestuft wurde. Anschließend ist erneut danach zu fragen, welche Bewegungen und Gruppierungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als „rechtsterroristisch“ zu betrachten sind und welche Gemeinsamkeiten eines „rechten“ Terrors – auch in Abgrenzung zu islamistischem sowie zu linkem Terrorismus – sich dabei herauskristallisieren lassen.

Die Organisatoren freuen sich über Vorschläge für Vorträge bis zum 25. Mai 2019. Bitte senden Sie Ihre Bewerbung mit Abstract und Kurzlebenslauf an Johannes Dafinger: [Email protection active, please enable JavaScript.]. Die Tagungs- und Diskussionssprache ist englisch. Abstracts können auch in deutscher Sprache eingereicht werden.

Dr. Moritz Florin, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dr. Johannes Dafinger, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt

Kontakt: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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